November 2011 (der Monster-Beitrag)

Abenteuerlicher Kurz„urlaub“

 

Santa Cruz de la Sierra ist die Hauptstadt des Nachbardepartamento Santa Cruz und ist unglaublich riesig: Laut meinem Reiseführer ist sie Boliviens „Boomtown“ und hat laut Wikipedia ca. 1,6 Millionen Einwohner!

Um von Independencía dort hinzukommen muss man zuerst ca. 7 Stunden mit der flota (eine Art Reisebus) nach Cochabamba fahren und von dort aus braucht ein weiterer Bus ca. 10 Stunden  nach Santa Cruz – wir waren also mehr als 17 Stunden unterwegs und kamen erst abends an unserem  Ziel an. Aber dafuer hatten wir echt tolle Aussichten aus dem Busfenster:

 

Da die Stadt nur auf ca. 420 Höhenmeter und dadurch weit unter Independencia (ca. 2600 Höhenmeter) liegt, ist es dort in der Regenzeit geradezu  tropisch-schwülwarm, sodass wir nach  kurzer Zeit alle recht verschwitzt waren  (waren wir aufgrund des trockenen Klima unseres Dorfes kaum  noch gewohnt 😉 ). Lewin und Daniel, zwei der FSJ-ler, haben uns am Busbahnhof abgeholt und sind mit uns nach Cotoca gefahren. Dafür mussten wir  zwei verschiedenen Taxen nehmen (die nur feste Strecken abfahren) und dann noch die restlichen Kilometer jeweils auf dem Rücksitz eines Motorradtaxis überbrücken – merkt man, wie weit außerhalb das Projekt der drei liegt?

Leider sind wir spät angekommen und haben mit der Anfahrt so lange gebraucht, dass das Tor zum Centro geschlossen war und Daniel auf den Nachtwächter einreden musste, damit er uns einlässt. Anders als der Nachtwächter bei uns in Independencía war der in voller Militär-Montur und hatte sogar ein richtiges Gewehr in seinem Nachtwächter-Häuschen – sah ziemlich respekteinflößend aus! Noch dazu bekamen Lewin und Daniel Ärger von ihrem Chef, der über die Nachtstörung nicht allzu begeistert war, Daniel aber dennoch nach einiger Diskussion Schlüssel fürs Gästezimmer für uns gab. Da wir wegen der Ausgehsperre des Bruders nicht wieder in die Stadt konnten, haben wir uns die ganzen Fotos, die die anderen während ihrer bisherigen Zeit gemacht haben, angesehen – in Santa Cruz wird anscheinend genauso gern gefeiert wie in Cochabamba (nur, dass alles etwas westlicher und weniger traditionell ist, sogar Halloween wurde nicht vergessen! Dafür haben Lewin, Daniel und Eva kaum etwas vom Allerheiligen-Fest mitbekommen).

Am nächsten Tag haben uns Eva, Daniel und Lewin ihre Arbeit gezeigt, wo sie echt viel zu tun haben: Entweder können sie im Kindergarten, bei der Physiotherapeutin, im Krankenzimmer oder beim Wickeln und Füttern der Behinderten mithelfen – wobei es verschiedene Pavillons gibt, wo die Behinderten wohnen, die in die jeweiligen Grade der Behinderung eingeteilt sind („marron“ (braun) sind die am Selbstständigsten, „verde“ (grün) sind die am Hilfbedürftigsten).

Und dann ging es auch mit Sack und Pack ins Abenteuer:

Eva, Lewin und Daniel haben uns in der Stadt herumgeführt und einige sehr schöne Ecken (wie z.B. der Plaza de 24 Septiembre, wo man sich ausruhen oder Schach spielen kann) gezeigt, bevor wir gemeinsam mit einem Taxi nach Samaipata ((Quechua: „die Anhöhe, um zu verweilen“) liegt auf 1500m Hoehe, in der Nähe des Nationalparks Amboró) gefahren sind.

Nach nur wenigen Stunden Fahrt auf engen, kaum befestigten Straßen am Hang entlang (mit viel Gegenverkehr!), tauchte mitten im Nichts ein kleines, beleuchtetes Dörfchen in der Dunkelheit auf, das aber aufgrund der vielen Touristen sehr viel westlicher ist, als Independencia (obwohl es kaum größer als dieses ist): Alle Straßen sind gepflastert, die Häuser haben teilweise eine Art südbayerischen Stil und ein kleiner, hübscher Park stellt den Hauptplatz dar.

Nachdem wir uns in einem Hostel eingecheckt hatten,wo man beim Bad die Tuer nicht hauen darf,

gingen wir nach einem kurzen Abendessen in die örtliche Karaoke-Bar, wo man tatsächlich Karaoke machen konnte (in Independencía gibt es zwar ebenfalls eine Karaoke-Bar, wo aber nur getanzt wird) – als wir im Songbuch nach englischen Liedern suchten, die wir singen wollten, fiel die Wahl nicht schwer:

Gottseidank war niemand außer uns in der Bar, sodass wir nach Herzenslust so tolle Lieder wie „My deart will go on“ (so stand das im Songbuch) grölen konnten – jedenfalls so lange, bis drei Herren den Raum betraten und einer ein altes Kinderlied („elgatoazul en elcielo“ oder so ähnlich) singen wollte. Naja, wir hatten Spaß.

Am nächsten Morgen haben wir zuerst einmal in einer französischen Bäckerei richtig gut gefrühstückt, wo wir sogar Deutsche kennen gelernt haben, die dort arbeiten.

Für diesen Tag war eine Wanderung durch den örtlichen Nationalpark Amboró mit Guide geplant, der uns sogar sofort erkannte – er war nämlich derjenige gewesen, der in der Karaoke-Bar das Kinderlied gesungen und unsere Version von „Lemon Tree“ (und sonst noch schönen Darstellung) gehört hatte.

Mit ihm und einem Taxifahrer fuhren wir erst einmal einige Zeit die Berge hoch und runter, bis wir schließlich irgendwo im Nirgendwo abgesetzt wurden, damit wir noch ein paar weitere Hügel hoch- und runterlaufen durften, um zum spektakulären Eingang des Nationalparks zu kommen – ein ganz normales Gatter. Und jetzt kommen ganz viele, tolle Fotos:

So hochmotiviert.

Während der darauf folgenden Stunden kraxelten wir unserem Guide (Eva hatte er sich als Adam vorgestellt, einigen als Miguel und den anderen als Frederick) den Trampelpfad durch Gebüsch, über im Weg stehende Bäume und sonst noch so einiges Gewächs hinterher und hatten so Wahnsinns-Aussichten wie diese hier:

Bis auf ein paar Kühe und einen Papagei namens „Gloria“ hatten wir leider keine Tiere gesehen, aber das machten der kleine Wasserfall, der Berg, über dem die Wolken rasend schnell hinüberzogen und von dem  man auf die anderen Berge schauen konnte sowie die verschiedenen Waldumgebungen, durch die wir teilweise kletterten, wieder wett.

Pause 🙂

Yay!

 

Unser Guide erklärte uns mitten in der Wanderung, dass wir nun im Nebelwald seien und dass dieser so heißt, weil nachmittags die Wolken herunterkommen und wie Nebel zwischen den Bäumen hängen (leider war es noch längst nicht nachmittags, sodass wir uns davon nicht überzeugen konnten). Insgesamt war die 7-stündige Wandertour zwar anstrengend, aber ein tolles Erlebnis gewesen, wenn man mal vom Ausgang des Abends absieht:

Denn als wir den Eingang des Waldes wieder erreichten und zurückliefen, war es schon zu spät, um auf ein uns abholendes Taxi zu hoffen. Also fragten wir stattdessen einen Lasterfahrer, der am Wegrand seinen Wagen reparierte, ob er uns mitnehmen könne, sobald er mit der Reparatur fertig sei. Als die Sonne unterging und der Himmel sich mit Regenwolken zuzog, warteten wir immer noch und mussten uns bei einer im Bau befindlichen Schule unterstellen, als es zu regnen anfing. Leider konnten wir nicht schonmal vorgehen, weil Daniel zum Lasterfahrer gelaufen war, um nachzuschauen, wie weit dieser mit der Reparatur war. Doch der konnte mit seinem Werkzeug nicht wirklich umgehen und benutzte ein Taschenmesser, um die Bremsleitung abzutrennen (so meinte das jedenfalls Daniel) und irgendwann beschlossen wir einfach, vorauszulaufen und kletterten dem Guide hinterher und einen Berg hoch – genau in diesem Moment tauchte der Laster auf und nahm uns auf seiner Ladefläche mit (die leider nicht überdacht war). Als wir dann hinten auf der Ladefläche des (wegen der Autos vor ihm ziemlich langsam fahrenden) Lasters standen und der Wind dafür sorgte, dass wir wirklich überall nass wurden, dachte ich mir schon „Wenn wir morgen mal nicht alle krank sind“.

Am Ende beschränkte sich das alle leider nur auf eine Person – mich:  Mit Schüttelfrost, Fieber, Uebelkeit und Kopfschmerzen durfte ich den nächsten Tag im Bett verbringen und verpasste dadurch den Ausflug zu einer Inka-Ausgrabungsstätte, der aber ganz toll gewesen war – so wurde es mir jedenfalls von den anderen mitgeteilt. Da wir wegen mir die vorgenommene 18-stündige Santa Cruz-Cochabamba-Independencia-Rückfahrt vergessen konnten, mussten wir der Schwester Bescheid geben, dass wir gezwungenermaßen noch etwas länger in Santa Cruz bleiben mussten.

Das war die 1. Verzögerung unserer Rückfahrt (und ich war schuld).

In Samaipata konnten wir wegen Lewin, Daniel und Eva, die am nächsten Tag arbeiten mussten, nicht bleiben, weshalb wir wieder mit einem Taxi zurück in die Stadt fahren wollten – was deswegen nicht ging, weil kein Taxi mehr frei war und es schon langsam dunkel wurde. Glücklicherweise wurde Daniel ein Transporter für 300 Bs. von zwei Chilenen angeboten, damit er uns zurückfahren konnte – aber am nächsten Tag das Auto wieder nach Samaipata bringen sollte, was ein wenig unpraktisch werden würde, weil die Strecke für Unerfahrene ziemlich schwierig war. Doch die anderen malten sich schon aufgeregt eine Übernachtung im Transporter aus, wenn es zu dunkel werden sollte und auf Abenteuer und undund – am Ende wurden dann doch von den zwei Chilenen namens Pia und Simon gefahren, die angeblich sowieso etwas in Santa Cruz zu erledigen hatten und waren sehr zuvorkommend – für mich, die Kranke, hatten sie sogar den Transporter mit Matratzen ausgelegt, damit ich ein wenig schlafen konnte (da die Straße unbefestigt und die Fahrt eher rumpelig war, war an Schlaf nicht allzusehr zu denken, trotzdem habe ich fast nur gedöst).

Die nächsten zwei Tage sah ich fast gar nichts von Santa Cruz, da ich nur im Hostel (zuerst in einem, das nur für eine Nacht empfehlenswert ist und danach in einem viel schöneren nahe dem Busterminal) blieb und mich ausruhte – währenddessen halfen David und Corinna Lewin, Eva und Daniel bei ihrer Arbeit und sahen viel mehr von der Stadt. Am nächsten Abend ging es mir schon viel besser (kein Fieber!) und da es unser letzter Abend in Santa Cruz sein sollte (wir planten, die naechste flota am naechsten Morgen um 7 Uhr 30 zu nehmen), ging ich mit den anderen ein wenig die Stadt ansehen und wir stießen zusammen mit Jazz, einer Freundin von Lewin, Daniel und Eva, auf Corinnas Namenstag an.

David, Eva und Jazz

Das Namenstagskind… und ich

Trotzdem ging ich früher als die anderen zurück, um für die Rückfahrt ausgeruht zu sein. Mein Wecker sollte um 6 Uhr 30 gehen.

Um 6 Uhr wurde ich von einem harschen Klopfen an meiner Tür geweckt, das mir bedeuten ließ, dass es dringend war. Ich stolperte zur Tür und stand plötzlich einem Mann mit Kappe gegenüber. Hinter ihm standen zwei Frauen in Militär-Uniform und Schlagstöcken (?), auf der Kappe des Mannes stand „Interpol“ und er sagte nur:

„Buenas días, Pasaporte?“

Ich dachte nur daran, dass ich nur noch 30 Minuten zu schlafen hatte, bis mein Wecker klingeln sollte und wir unsere flota nach Cochabamba kriegen mussten, wie niedrig mein Blutzuckerspiegel gerade sein musste (abgesehen von ein paar Crackern hatte ich mich die letzten Tage nur von Cola ernaehrt), dass ich furchtbar zerzaust im Schlafanzug vor einem Interpol-Angestellten stand und ich einfach nur wieder in mein Bett wollte, weil ich noch vollkommen fertig war und dass ich diesen Interpol-Typ, der mich aus dem Bett geklopft hatte, so schnell wie möglich loswerden wollte. Ich glaube, dass ich in diesem Moment einfach nur zusammenhangloses Zeug geredet hatte, bis sich Mr. Interpol erbarmte und mich fragte, ob ich Englisch sprechen könne. Ich versuchte ihm daraufhin zu verstehen zu geben, dass ich nicht genau wüsste, wo mein Reisepass im Augenblick gerade sei – Cochabamba oder La Paz – und habe ihm einfach den kleinen, grünen Zettel, den ich bei der Einreise in Bolivien bekommen habe, gegeben. Das hat ihn anscheinend beruhigt, denn er meinte, das alles in Ordnung wäre und ist gegangen. Eigentlich wollte ich dann  die übrig gebliebenen Minuten nutzen, um noch ein wenig zu schlafen, aber plötzlich stand Lewin draußen auf dem Flur und meinte, dass er und die anderen (außer Daniel, der war am Abend zuvor zurück nach Cotoca gefahren und hatte nicht mit im Hotel übernachtet) wegen mangelnder Papiere von Interpol abgeführt werden und es wohl besser sei, wenn ich mitkäme.

Morgens um 6 Uhr 30. Ohne Frühstück. Die flota nach Cochabamba konnten wir wohl vergessen.

Also wurden Eva, Lewin, Corinna, David und ich nach unten zu einem Truck begleitet und auf die Ladefläche verfrachtet, während weitere Interpol-Angestellte noch andere, ziemlich unausgeschlafene Hotelgäste nach draußen geleiteten. Ich hatte immer noch nicht so ganz registriert, in was für einer Lage wir uns befanden: Ich wollte ins Bett, aus der prallen Sonne raus und dem Zeitungsreporter seine Kamera wegnehmen, damit er endlich aufhörte, Fotos von übermüdeten und zerzausten Gestalten wie uns zu machen. Sogar ein Kameramann vom regionalen Fernsehen war da und hielt alles genauestens fest (Ohgott, hoffentlich kommt das nicht in die deutsche Tagesschau!). Ich fand die ganze Situation nervig, Corinna währenddessen amüsierte sich köstlich (noch ein Nebeneffekt der Übermüdung) und machte mit Lewin und David dauernd Scherze. Irgendwann gesellte sich der Interpol-Typ, der mich geweckt hatte, zu uns und wir baten ihn, etwas Wasser im Laden gegenüber kaufen zu dürfen. Schließlich durfte Lewin mit dem Polizisten hingehen und wollte für uns sechs (ein ebenfalls abgeführter Kolumbianer hatte sich zu uns auf die Truck-Ladefläche gesetzt) Becher für die Wasserflasche haben, jedoch hatte der Polizist bereits bei der Verkäuferin nur vier verlangt und die wollte keine Korrigierung von einem Nichtpolizisten (Lewin) hören („Nein, der Polizist hat für vier Personen gesagt!“) – am Ende war es auch nicht allzu tragisch, es ergab nur eine lustige Anekdote 🙂 Lewin und Eva waren eigentlich ziemlich fehl am Platz, da sie noch ihre Reisepässe hatten, die aber leider bei ihrem Arbeitsplatz in Cotoca lagen – dort, wo Daniel jetzt gerade war. Ich berichtete ihm auf seiner Mailbox, was geschehen war und dass er bitte möglichst schnell zum Interpol-Gebäude fahren solle, wir seien verhaftet worden. Daniel rief mich keine zwei Minuten ungläubig zurück: „Sag‘ mir bitte, dass das ein Scherz ist!“. Leider war es keiner, weswegen er sich in ein Taxi setzen und uns hinterherfahren musste (und dabei in Gedanken hoffte: „Bitte seid nicht auf den Gedanken gekommen, Interpol zu bestechen, bitte seid nicht auf den Gedanken gekommen, Interpol zu bestechen, bitte…“). Auf der Ladefläche eines Interpol-Trucks von Reportern mit Kameras gefolgt durch die Stadt zu fahren und von mindestens jedem zweiten Autofahrer angestarrt zu werden, war alles in Allem doch ziemlich witzig, wir winkten jedenfalls jedem Gaffer huldvoll zurück. Danach war alles nicht mehr ganz so spannend: Wir wurden in ein Bürogebäude geleitet, in eine Art Wartezimmer gesetzt und durften ab da nur warten, dass irgendetwas mit uns passiert (Oh Gott: 8 Uhr und immer noch kein Frühstück!). Der Interpol-Typ, der mich geweckt hatte, stellte sich uns als Pierre vor und forderte uns auf, unseren vollständigen Namen in ein Heft, das er herumreichte, zu schreiben („Das ist doch nur seine Facebook-Freundschaftsliste!“). Da Eva neben David saß, fragte Pierre diesen: „Issheyourboyfriend?“ („Ist sie dein fester Freund?“), das und noch einiges mehr veranlasste uns dazu, nicht lange ernst bleiben zu können – bis wir nach mehr als zwei Stunden Warterei aufgerufen und zum Migration-Zenter gebracht wurden, vor dem Daniel mit sämtlichen Papieren von Eva und Lewin wartete.

Der Bericht über die abgeführten Hotelgäste war schon im Fernsehen gewesen, weshalb alle auf der Arbeit der drei von der Sache mit Interpol Bescheid wussten und sich über uns sehr amüsierten. Überraschenderweise trafen wir vor dem Bürogebäude auf die Deutschen aus der Bäckerei Samaipatas, die sich in die ziemlich lange Schlange vor dem überfüllten Wartesaal einreihen wollten. Zum Glück ist uns das erspart geblieben, denn die Interpol-Männer führten uns an der Warteschlange vorbei hoch auf einen Flur, wo es keine Stühle gab und wir wieder warten durften, bis die Büroangestellten entschieden, die Frauen zuerst ins nächste Büro zu lassen. Dort warteten wir wieder eine Weile, bis sich der dortige Arbeitnehmer um uns kümmerte und unsere Personalien aufnahm (seit 5 Stunden ohne Frühstück). Da das Büro, in dem wir saßen, direkt bei der Eingangstür des Gebäudes war, kamen auch ständig Leute herein, die sich nicht anstellen wollten und wurden jedes Mal von dem Herren, der sich um uns kümmerte, mit Engelsgeduld hinausgebeten. Eva wurde recht schnell wieder mit der Bitte, diesen und jenen Zettel innerhalb der nächsten 15 Tage vorzulegen, entlassen und durfte draußen auf uns warten. Weswegen seid ihr hier, wie sind eure Namen, können Sie bitte das vorlegen, hier haben Sie ein Kaugummi, unterschreiben Sie bitte da und dieses Dokument müssen Sie in Cochabamba im Migrations-Zenter vorlegen und schon waren wir draußen – nach 6 Stunden Bürowahnsinn durften Eva, Corinna und ich dann endlich gehen und da die Jungs noch gar nicht dran waren und deren Gruppe wesentlich größer war (bei uns war sonst nur noch eine 19-jährige dabei gewesen), fuhren wir zurück ins Hotel und packten unsere Rucksäcke, um sie beim Bus-Terminal abzuladen und neue Tickets für die nächste flota, die am Abend fahren sollte, zu kaufen.

Natürlich mussten wir der Schwester wieder Bescheid geben, warum wir wieder etwas später zurück sein würden. Das war die 2. Verspätung unserer Rückfahrt (Grund: „Von Interpol verhaftet“ und diesmal war ich nicht schuld daran…jedenfalls nicht völlig). Schwester Verena war aber nicht sauer und sah alles ganz locker: „So etwas passiert, darauf muss man sich immer einstellen“. Recht hat sie. Leider verpassten wir dadurch den Día de Independencía am 8. November, der mit Schülerparade und noch so Weiterem gefeiert wird („Der ist so wie der Día de Cochabamba, wird aber nicht so groß gefeiert“).

Den letzten Abend in Santa Cruz verbrachten wir gemeinsam (nach ein wenig Cola, Traubenzucker und etwas zu Essen ging es uns allen schon viel besser)

und gingen ins örtliche Cine-Center, nachdem wir vergebens nach einem Spa mit Massage und Pediküre gesucht hatten. Ich hatte noch nie zuvor einen Film auf Spanisch angesehen, aber überraschenderweise war es nicht allzu schwer, ihn zu verstehen (zumal Rowan Atkinson trotz seiner plötzlich viel tieferen Stimme häufiger auf Körpersprache und komische Missgeschicke setzte als auf Sprache), mit Untertiteln wäre es nur ein wenig verständlicher gewesen. Da wir noch ein wenig Zeit hatten, bis unsere flota fahren sollte, hatten wir unseren Spaß im Bälle-Pool vor dem Cine-Center. Auf Dauer war es aber ganz schön anstrengend, zu viert (für mehr war kaum Platz) in einem Plastikball die Balance zu halten und irgendwie vorwärts zu kommen – was wir kaum schafften, da immer mindestens einer von uns umkippte und die anderen zu Fall brachte. Aber witzig war es schon 🙂

(Ich liege irgendwo hinter Corinna in dem Ding – ich kam nicht schnell genug hoch, um mit aufs Foto zu kommen :D)